Was die Made im Speck über Hunger weiß ..

Neulich fragte ein Bamberger einen uns bekannten Senegalesen, ob man in Thies dem Lockdown durch Corona nicht auch etwas Positives abgewinnen könne. Bei uns in Deutschland wird Zeit für Ruhe und innere Einkehr mitunter auch als kleiner Gewinn durch Corona gesehen.

Die Antwort war deutlich:

Nein, dafür haben wir jetzt keine Zeit. Die Menschen kämpfen um das Überleben, sie brauchen was zu essen. Sie haben ihren Job verloren und wissen nicht, wie es weiter gehen soll. Corona hat die bereits vorher existierenden Existenzängste absolut verschärft.

In diesem Moment zerriss für einen Moment der Nebel unserer eurozentrierten Wahrnehmung und gab den Blick auf unsere Perspektive frei: von der Spitze eines Elfenbein-gleichen Turms aus geräuchertem Speck sitzend und sich wohlig räkelnd auf die uns so ferne Welt des globalen Südens blickend.

Immerhin haben wir Hunger nicht mit Heilfasten verglichen!

Aber aus der Position unseres Wohlstandes heraus haben wir große Mühe, eine Perspektive auf eine Realität zu entwickeln, die die Mehrheit unserer Erdbevölkerung erlebt. Es ist ja nicht boshaft, eine scheinbar harmlose Frage zu stellen, sondern das Ergebnis fehlender Erfahrungswerte.

Da reicht es auch nicht, sich medial zu informieren, weil wir es kaum schaffen die Fiktion eines ARD-Tatortes von der Realität eines Krisenberichtes zu unterscheiden.

Auch der COVID-19-Ausbruch in China hat es uns plastisch gezeigt: das Problem des Anderen wird erst durch die eigene Betroffenheit erlebbar. Entspannt hatten wir die Geschehnisse in Fernost verfolgt, haben uns mitunter über die Abriegelung von Grenzen empört und lange nicht verstanden, was das mit uns zu tun hat.

Wir sollten aber verstehen: Die Probleme in Afrika betreffen uns. Wir haben an deren Entstehung, deren Fortbestehen und auch an deren Lösungen unseren Anteil.

Bildungsarbeit ist eine der elementarsten Formen der Solidarität. – Nein, wir meinen hier nicht den Senegal oder Tunesien, sondern Europa.

Wir benötigen ‚Nachhilfe in Erfahrungskunde‘, Erdkunde war gestern.

Deshalb werden sich Die Bildungsanstifter e.V. mit Nachdruck dafür einsetzen, dass sich Menschen aus Afrika und Europa begegnen können und sich austauschen – in beiderlei Richtungen.

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