Bildungsoasen für eine bessere Zukunft

Eine Vorschulgruppe für Keur Djeumb im Senegal

Willst du für ein Jahr vorausplanen, so baue Reis. Willst du für ein Jahrzehnt vorausplanen, so pflanze Bäume. Willst du für ein Jahrhundert planen, so bilde Menschen.

Tschuang-Tse

Ein Garten der Bildung im Senegal

Senegal ist ein demokratisch regierter Staat an der westafrikanischen Küste. Das Land ist etwa halb so groß wie Deutschland und erstreckt sich von der Sahara im Norden bis an den tropischen Regenwald im Süden. 40% des Staatshaushaltes werden im Senegal offiziell für Bildung ausgegeben. Doch schon wenige Kilometer abseits der großen Städte nahe dem Atlantik sind die kleinen Kommunen bei der Erhaltung ihrer schulischen Infrastruktur sehr auf sich allein gestellt. Der Bildungssektor muss sich vielen Herausforderungen stellen.

Die Dorfschule Keur Dieumb nahe der Provinzstadt Thiès betreut 240 Schulkinder. Die Mädchen und Jungen nehmen den mitunter weiten Schulweg gerne auf sich und gehören zu den rund 68 Prozent der Kinder, die im Senegal beschult werden. Es gibt zwar eine offizielle Schulpflicht, die mit sechs Jahren beginnt. Da der Staat jedoch nicht kontrolliert, ob Familien dieser Pflicht nachkommen, liegt die Quote der Analphabeten entsprechend hoch (etwa 40%).

In den ländlichen Regionen des Senegal sind Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder unter sechs Jahren so gut wie nicht vorhanden. So bleibt gute Frühpädagogik das Privileg weniger Familien in den großen Städten, die sich die privaten Einrichtungen leisten können. Erst ab dem Schulalter sind Unterricht und Betreuung vorgesehen und werden vom Staat kostenlos angeboten.

Direktor Moussa Thiandoum berichtet stolz von den Schulkindern, die sich täglich darauf freuen, neue Erfahrungen zu machen und den Unterrichtsstoff lernbegierig aufsaugen. ‚Unser großer Traum ist, für die umliegenden Dörfer auch Bildungsmöglichkeiten für Kinder unter sechs Jahren zu schaffen‘, erläutert er beim Rundgang auf dem Gelände. ‚Mit einer Vorschule könnten wir auch schon die Kleinsten erreichen. Nach unseren Erfahrungen ist es sehr wichtig, ihnen bereits gute Bildungs- und Betreuungsangebote zu machen und die Familien mit ihren Fragen zur gesunden Entwicklung von Kindern zu beraten. Auf diese Weise möchten wir den Jungen und Mädchen einen guten Start ins Leben und Lernen ermöglichen.‘ Die Lehrkräfte der Dorfschule sind fest entschlossen, sich diesem Projekt zu stellen und suchen nach finanzieller und konzeptioneller Unterstützung für die Erweiterung der Schule durch eine Vorschulgruppe. Das stark renovierungsbedürftige Schulgebäude macht das Lehrerkollegium mit seinem großen Engagement wieder wett und verweist stolz auf die Dinge, die funktionieren: der etwa 20 Meter tiefe Brunnen, der gutes Wasser fördert und der geschützte Innenhof, der zum Spielen in den Pausen einlädt.

‚Eine besondere Herausforderung ist die Sprache‘, erklärt uns eine junge Lehrerin. ‚Im Senegal ist die Unterrichtssprache Französisch, eine Sprache, die ein Großteil unserer Kinder nicht beherrscht. Unsere Schulkinder gehören vielen verschiedenen Stämmen an, den Wolof und Diola, Serer, Fulbe und Mandingo. Beim Eintritt in die Schule ist Französisch als Unterrichtssprache für viele Kinder zunächst schwierig. Dadurch verlieren sie kostbare Lernzeit. Könnten sie eine Vorschulgruppe besuchen, wäre der Übergang für diese Kinder viel einfacher.‘

Direktor Moussa und sein Kollegium der Dorfschule Keur Djeumb sind überzeugt, dass eine Vorschule die Bildungschancen vieler Kinder aus der ländlichen Region um Thiès verbessern würde. Deshalb plant die kommunale Schule, mithilfe der Bildungsanstifter e.V. eine Vorschulklasse für die Kinder aus dem Einzugsgebiet (7 Dörfer) einzurichten.

Gründe, wieso in Keur Djeumb eine Vorschulklasse entstehen sollte:

  • Entwicklung grundlegender Fähigkeiten: In der Vorschule soll die altersgemäße Entwicklung des Kindes in allen Bereichen gefördert werden. Sie ist auch für das spätere Lernverhalten in der Schule und die Konzentrationsfähigkeit sehr wichtig.
  • Persönlichkeitsentwicklung fördern: Jedes Kind hat unterschiedliche Begabungen und Fähigkeiten – zudem können sich Herkunft, Kultur (Stammeszugehörigkeit), Religion und Stammessprache unterscheiden. Diese Unterschiede setzen wichtige Impulse für das Lernen. In der Vorschule kann sich das Kind an die neue Gruppe gewöhnen, sich integrieren und Verantwortung übernehmen – und gewinnt dadurch an Selbstvertrauen. Diese Ergänzung zum bisher bekannten Familienleben ist wichtig für die emotionale und intellektuelle Entwicklung eines Kindes.
  • Transitionen erleichtern: Die Unterrichtssprache im Senegal ist Französisch, eine Sprache, die vom Großteil der Kinder nicht beherrscht wird, was naturgemäß große Verzögerungen und Verluste im Lernprozess bedeutet. Da viele Kinder in den Familien ihre Stammessprache lernen, dient die Vorschule mit gezielten Sprachanreizen in Französisch auch zur Vorbereitung auf einen guten Übergang in die erste Klasse.
  • Besonderheiten und Bedürfnisse erkennen: In der Vorschule fallen Besonderheiten oder auch Defizite in der altersgemäßen Entwicklung oft zum ersten Mal auf. So kann– wenn nötig – frühzeitig gefördert werden, damit das Kind für einen guten Schulstart gerüstet ist.

Raum für private Initiativen

Der Aufbau einer Kindergartengruppe für eine kleine Schule im Senegal, ein solches Projekt hat einen Umfang und finanziellen Aufwand, der auch im Rahmen eines kleinen Vereins zu stemmen ist.

Dr. Hendrik Bachmann und Dr. Ulrike Roppelt von den Bildungsanstiftern e.V. haben bei ihrem Besuch im Oktober 2018 den Verantwortlichen der Dorfschule versprochen, ihr Anliegen nach Deutschland zu tragen.

Die beiden haben sich bereits an Schul-Projekten in Afghanistan, von tunesischen Wüstenbeduinen und beim Projekt ‚Mörtel und Steine‘ im Senegal beteiligt.

10.000 €uro für eine kleine Bildungsoase

In diesem Raum soll die neue Vorschulgruppe entstehen

Das Projekt umfasst die Renovierung und kindgerechte Einrichtung eines geeigneten Raumes auf dem Schulgelände sowie die konzeptionelle Begleitung des pädagogischen Personals. Die Kalkulation beläuft sich auf etwa 7 000 Euro und wurde bereits eingehend geprüft. Die finanzielle Abwicklung (Geldtransfer) der Kosten wird freundlicherweise die Direktion der Finanzabteilung unserer Partner-Diözese (Thiès) übernehmen. Die Einweihung der Vorschulgruppe ist im Frühjahr 2020 geplant. Bis dahin gilt es, den erforderlichen Geldbetrag zusammen zu tragen.

Natürlich kann die Unterstützung vor Ort nur geleistet werden, wenn es zuhause in Deutschland auch Menschen gibt, welchen die guten Bildungschancen der senegalesischen Kinder am Herzen liegen. Die Spendengelder der Bildungsanstifter e.V. werden in das Kindergarten-Projekt fließen und damit eine Brücke schlagen zwischen Bamberg und der Dorfschule Keur Dieumb.

Es würde uns freuen, wenn sich viele Gleichgesinnte anschließen, die sich für eine bessere Zukunft der Kinder engagieren. Mit unserer Investition tragen wir alle ganz wesentlich dazu bei, der Bildung und Zukunft der Menschen im Senegal eine reelle Chance zu geben – und sei es zunächst auch nur als ‚Tropfen auf den heißen Stein‘. Er wird seine Wirkung entfalten.

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