Betteln statt Feldarbeit

Landflucht, Klimawandel, städtischer Moloch

‚Mendicité‘ nennen francophone Westafrikaner den Zwang zum Betteln, um das ‚versement‘, die tägliche Abgabe an den Marabout, zu finanzieren . Obwohl das massenhafte Betteln in seiner heutigen Erscheinungsform von großen Teilen der Bevölkerung als prinzipielles Problem wahrgenommen wird, verläuft die Bewertung zwischen legitimen Almosengeben und -nehmen und schädlichem Betteln für jeden entlang anderer Grenzen.

Wo früher Feldarbeit für die Daara den größten Teil der Einnahmen einer Koranschule bestreiten konnte, fehlt den heutigen Einrichtungen im städtischen Umfeld diese Erwerbsquelle. Die Landflucht, das rasante und chaotische Städtewachstum und die gleichzeitige Verelendung ländlicher Gebiete durch zunehmende Trockenheit führte auch zum Umzug der Daaras und Verlagerung des Einkommens alleine auf das Betteln.

Zwang und Gewalt statt ‚Confiage‘

Der Umzug vom Land in die Städte löste Dorfgemeinschaften auf und führte dazu, dass Daaras heute verstärkt in städtischer Anonymität existieren. Kinder, die traditionell früher innerhalb einer Großfamilie herumgereicht und auch einem Marabout anvertraut wurden, werden nun oft in unkontrollierte Koranschulen fern der Heimat gegeben. Die ‚Confiage‘ (Anvertrauen) wird folgerichtig in hohem Maße durch Zwang, Gewalt und Freiheitsberaubung ersetzt, bis sich die Talibé in der Daara ‚eingewöhnt‘ haben.

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