Tunesien: Bamberger besuchen Zahrat El Hayat

Am 08.März besuchte eine Gruppe von Erzieher*innen, Pädagog*innen und Lehrkräften aus Bamberg die Schule Zahrat El Hayat. Darunter waren auch einige Vereinsmitglieder der Bildungsanstifter e.V., die zuvor sechs Tage mit Beduinen in der Wüste unterwegs waren.

Es freute uns alle, dass wir diesen Zwischenstopp in El Farouar einlegen konnten.

Die Direktorin führte uns von Klassenzimmer zu Klassenzimmer, wo wir die Kinder und Jugendlichen beim konzentrierten Arbeiten erleben konnten. Es war für uns alle sehr spannend, die Lehrkräfte bei ihrer Arbeit in Kleingruppen oder in Einzelförderung zu beobachten.

Die Atmosphäre in den Lerngruppen war sehr gelöst , die Lehrer*innen waren den Kindern liebevoll zugewandt.

Besonders gefreut hat uns, dass die Lern- und Spielmaterialien, die wir im Januar mitgebracht hatten, bereits in vollem Einsatz waren. Die Kinder und Jugendlichen haben sich über unseren Besuch sehr gefreut und präsentierten stolz ihre Lernergebnisse und ihr handwerkliches Geschick.

Auch wenn wir uns nicht in der gleichen Sprache unterhalten konnten, so gab es dennoch viele Momente, wo wir mit Augen, Händen und Füßen miteinander in Kontakt treten konnten.

Eine schöne Überraschung erlebten wir, als ein Jugendlicher uns eine selbst gestaltete Karte zum internationalen Frauentag überreichte. Wir hatten wohl alle nicht vermutet, dass diesem Tag in Tunesien so große Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Schönes Fest für alle Frauen. Ich möchte euch sagen, dass der Respekt für euch Frauen jeden Tag gilt und nicht nur am 8. März! ( Bahri Tawaded)

Wie schnell war die Zeit in der Schule verflogen! So viele Fragen blieben noch offen. Wir werden wieder kommen – gewiss.

Ein Bus für El Farouar

Die Region des Nefzawa gehört zu den am wenigsten entwickelten Gebieten Tunesiens. Quasi eingeklemmt zwischen der großen Salzpfanne des Chott El Djerid und der Sandwüste des Grand Erg Oriental ist es verkehrstechnisch nur nach Osten hin gut angebunden.

Der Verein Zahrat El Hayat betreut junge Menschen mit körperlichem oder geistigem Handicap aus mehreren Dörfern der Region, zwischen denen es aber keine staatliche Schulbuslinie gibt.

Die Nefzawa-Region

Das Fehlen eines behindertengerechten Schulbuses bezeichnet Amor Belhadj, Vereinsvorstand aus El Faouar, als prioritäres Problem.

Die sieben Dörfer der südlichen Wüste, die zum Einzugsgebiet der Bildungseinrichtung gehören, liegen verstreut am Randgebiet der Wüste. Vielen Eltern fehlt jegliches Geld, um sich an den Transportkosten ihrer Schützlinge zu beteiligen. Und Kinder mit schweren Steh- und Gehstörungen ist es angesichts sowohl fehlender Rollstühle als auch eines rollstuhlgerechten Transportes schier unmöglich, am Bildungsangebot von Zahrat El Hayat teilzunehmen.

Die Bildungsanstifter wollen daher u.a. einen Kleinbus erwerben, umbauen und im kommenden Winter 2019/2020 nach Tunesien überführen und in Dienst stellen. Dies wird keine kleine Aufgabe. Insgesamt rechnen wir mit Kosten von 20.000 € für dieses Projekt.

Ganz rechts: Vereinsvorstand Amor Belhadj im Direktorat der Bildungseinrichtung

Wenn Sie uns dabei unterstützen wollen, dann freuen wir uns über jede Spende.

Gerne können Sie auf unserer Spendenseite eine Zusage machen. Denken Sie an alle Angaben, damit wir Ihnen zum Jahreswechsel eine Spendenbescheinigung zusenden können.

Wir halten unsere Unterstützer natürlich auf dem Laufenden.

Unser erster Besuch bei Zahrat El Hayat

Physiomaterial für die Wüstenschule: Nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Fast ein Jahr hatten die Bildungsanstifter e.V. die Reise zu unserem Projekt in Tunesien vorbereitet. Viele Menschen hatten in dieser Zeit mitgeholfen, Material für die Schule für behinderte Kinder zu organisieren. Doch in den letzten Tagen vor der Abfahrt Richtung Süden ist plötzlich völlig unklar, ob sich unsere Pläne verwirklichen lassen: Die Dokumente für den Zoll sind nicht da und das Aufleuchten einer roten Lampe im vollgepackten Fahrzeug zeigt uns an, dass der Landrover von Ulli und Hendrik nicht gewillt ist, die weite Strecke anzutreten.

Erst 30 Minuten vor der zeitlichen Deadline, die uns die Abfahrtszeit der Fähre in Genua gesetzt hatte, war klar, dass wir starten können. Vier Alltagshelden einer KFZ-Werkstatt aus Wildensorg brachten das Auto punktgenau wieder in Schwung und keine 5 Minuten später war Hendrik auf der Autobahn. Gerade rechtzeitig, um noch die Fähre Genua-Tunis zu erreichen.

4 Tage später und ca. 3900 km von Bamberg entfernt, trafen die beiden in der Datteloase ElFaouar bei Amor, einem der Vereinsgründer der Schule für behinderte Kinder (Zahrat El Hayat), ein. Amor hat selbst eine schwerstbehinderte Tochter, für die wir einen Kinderrollstuhl mitgebracht haben. Die 9-jährige Imene freute sich sehr über ihr neues Vehikel. Ihr Vater sagte, dass sie nun das erste Mal das Haus verlassen und eine Spazierfahrt durch das Wüstendorf machen konnte. Am Abend ist das erste Meeting, bei dem uns Vertreter von Zahrat El Hayat über den aktuellen Stand der Bildungsarbeit informieren.

Der Verein hat 32 Mitglieder und wurde 2013 gegründet. Die Kinder kommen aktuell aus 4 nahegelegenen Wüstendörfern, die mit dem gemieteten Auto erreichbar sind. Um alle Kinder mit Behinderung – auch die schwerstbehinderten – rund um den Ort zu erreichen, bräuchte der Verein jedoch einen eigenen Transporter. Ein Wunsch, der im Moment ganz oben auf der Prioritätenliste steht. Finanzielle Unterstützung erfährt die Schule kaum: Die Regierung übernimmt lediglich einen Teil der Gehälter, viele Familien haben keine Krankenversicherung und selbst den monatlichen Beitrag von 3 Euro kann sich nicht jede Familie leisten. Das strukturschwache Wüstengebiet verfügt über keinerlei größere Firmen oder andere finanzstarke Einrichtungen, die sich als Sponsoren engagieren könnten.

Am nächsten Tag besuchen wir die Schule. Es sind Ferien und so sind wir sehr freudig überrascht, als wir das Schulgebäude betreten. Direktorin, Lehrkräfte, Koch, Reinigungsfrau und Hausmeister begrüßen uns. Und – welch eine schöne Überraschung: auch die Kinder sind gekommen, um den Besuch der Bildungsanstifter zu empfangen und uns ihre Schule zu zeigen.

Bei unserem Rundgang erwarten uns spannende Einblicke in die Arbeit mit den behinderten Kindern. Konzentriertes Lernen und Spielen, freundliche und zugewandte Lehrkräfte, Lachen und Spaß. Etwas beschämt stellen wir fest, dass wir mit so einer professionellen Arbeit kaum gerechnet hatten – und auch nicht mit der großen Lernfreude, wie wir sie in den Klassenzimmern erleben. Das große Engagement der Vereinsmitglieder und des Kollegiums bestärkt uns sehr, mit der Unterstützung von Zahrat El Hayat die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Und dann geht es ans Auspacken des Landrovers, der mit Physiomaterial, Lernspielen, Pedalos, Medizinbällen, Holzpuzzles, Stiften, Steckspielen und vielem mehr bis in die letzte Ritze vollgepackt ist. Das Material wird von den Kindern sofort in Beschlag genommen und mit viel Freude gleich ausprobiert. Die Lehrkräfte strahlen und erzählen uns, welche neuen Möglichkeiten sich mit den Materialien zur Förderung der Kinder ergeben.

In solchen Momenten sind wir Bildungsanstifter uns ganz gewiss, dass unser Engagement für Bildung in Tunesien sich lohnt. Auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, er wird seine Wirkung entfalten.

Eine Dankes-WhatsApp von Schuldirektor Moussa

Un grand merci à tous qui nous ont aidé à construire les toilettes. Nous sommes très tres content. La fête avec le ‚Bildungsansifter e.V.‘ de Bamberg a été une journée magnifique pour notre école. Nos professeurs et nos élèves de l’école Keur Dieumb remercient tout le monde à Bamberg!

Ein großes Dankeschön an alle, die uns geholfen haben, die Toiletten zu bauen. Wir sind sehr, sehr glücklich. Das Fest mit den ‚Bildungsanstiftern‘ aus Bamberg war ein wunderbarer Tag für unsere Schule. Unsere Lehrkräfte und unsere Schüler und Schülerinnen der Schule Keur Dieumb bedanken sich bei allen Bambergern!

L’ecole de Keur Dieumb vous souhaite la bienvenue et vous remercie

20181102-7771DMC-FZ1000Direktor Moussa Thaindoum und Dr. Ulrike Roppelt vor dem Brunnen der Schule Keur Dieumb, Thies, Senegal.

Wege sind manchmal verschlungen und führen nicht immer direkt zum Ziel. So teilt die neue Autobahn die Gegend um ‚unsere‘ Dorfschule in zwei Hälften – und während wir über Stock und Stein links der Autobahn nach der richtigen Abzweigung suchen, steht auf der anderen Seite im Hof der Schule schon das Empfangskomitee Spalier. Mithilfe eines Lotsen aus Bamberg (Hendrik) biegen wir dann doch noch in die richtige Staubstraße ein und werden im Dorf mit einem herzlichen ‚Bienvenue‘ empfangen. Schon schreitet unsere kleine Bamberger Delegation in Begleitung der senegalesischen Lehrkräfte und Direktor Moussa durch ein winkendes Spalier von lachenden Jungen und Mädchen. Welch eine wunderbare Überraschung, welch ein schöner Empfang.

 

‚L’ecole de Keur Dieumb vous souhaite la bienvenue et vous remercie‘ (Die Schule Keur Dieumb heißt euch herzlich willkommen und bedankt sich.) – fünf Mädchen halten tapfer die Schilder mit dieser Aufschrift in die Höhe. Schon beginnen 8 andere Mädchen in traditioneller farbenfroher Tracht einen Begrüßungs- und Dankestanz vorzuführen. Es schließt sich die Rede des Schülersprechers an, der uns im Namen aller Jungen und Mädchen für die Unterstützung beim Toilettenbau dankt. Mit vor Aufregung zitternden Händen hält er sein Skript und trägt mit großer Ernsthaftigkeit seine Rede vor. Er ist der erste, der bei dieser Feierstunde sprechen darf – für uns ein starkes Signal.

Ein einziges Mal haben wir die Lehrkräfte vor fast 2 Jahren für ein paar Stunden gesehen und doch ist bei dieser Begegnung ein Freundschaftsband entstanden, dass auch jetzt wieder zu herzlichen Begrüßungen und Umarmungen führt. Direktor Moussa findet treffliche Worte der Begrüßung und sein Dank kommt wahrlich aus ganzem Herzen. Auch die beiden Dorfältesten sind nun dazu gestoßen und danken uns für die Unterstützung der Dorfschule.

Mit großer Würde und Stolz werden wir nun zu den neuen Toilettenanlagen geführt, die einen soliden Eindruck machen: barrierefrei, sauber, mit Trockengrube und Handwaschbecken. Kein Vergleich zu den ursprünglichen Bodenlöchern, die niemand mehr von den Kindern benutzen wollte.

Mit 260 Kindern im Schlepptau bewegt sich die kleine Karawane über das Schulgelände, begutachtet den Brunnen und schaut in die Klassenzimmer. Ein Raum fällt uns besonders auf: Der Boden ist mit Löchern übersät, die Wände haben Risse, Tische und Stühle sehen äußerst morsch aus. ‚Das ist der Kindergarten, die Vorschule‘ – sagt uns Direktor Moussa – ‚die Kinder fangen nächste Woche hier an‘. Unsere Bestürzung versuchen wir zu überspielen, denn keiner von unserer Gruppe ist wohl davon ausgegangen, dass sich in diesen ‚schlimmen‘ vier Wänden überhaupt jemand aufhalten möchte.

Nach dem Rundgang wird Speis und Trank gereicht: Gefüllte Taschen und selbstgemachte grüne Säfte. Was das wohl für eine Frucht sein mag? – Und dann werden wir alle noch mit Geschenken bedacht: schicke rosa- und schwarz-weiße Taschen sowie ein wunderbares großes Gemälde, das auf Holz gemalt wurde. Ist dort nicht eine Frau mit weißer Haut zu sehen? – Auf meine Frage hin ernte ich nur ein breites Grinsen.

Die Zeit verfliegt und schon heißt es Abschied nehmen.

‚Das nächste Mal bleibt ihr bitte länger! Und bringt Monsieur Hendrik mit!‘ – ‚Ja, das machen wir!‘ rufe ich noch winkend.

Und ja, ich bin mir sicher: Es wird sicher ein Wiedersehen geben. Inshallah! – So Gott will!

Und ja, wir sind schon mitten in den Überlegungen für das nächste Projekt mit unserer Dorfschule: die Raumgestaltung und Ausstattung der Kindergartengruppe.  

Bamberger Chornacht

Mit der Bamberger Chornacht hatten wir Menschen gefunden, die sich für die kleine Dorfschule einsetzen wollten. Denn bei der jährlichen Konzertnacht geht es gleichzeitig auch um das ‚Singen für eine gute Sache‘. Die Spendengelder, die 2018 eingesungen wurden, flossen in den Bau der Toilettenanlage der Dorfschule Keur Dieumb.

60450635656595274835

So möchten wir an dieser Stelle unseren großen Dank an alle aussprechen, die dazu beitragen haben, dass die Chornacht stattfinden konnte: das sind natürlich zuallererst die engagierten Chorsänger und -sängerinnen mit ihren Chorleitern und Chorleiterinnen, aber natürlich auch alle, die im Hintergrund planen und organisieren und den passenden Rahmen schaffen. Herzlichen Dank auch an alle Besucher, die ihren Dank mit einer Spende zum Ausdruck brachten. Sie alle haben dazu beigetragen, die Lernbedingungen für die Mädchen und Jungen in der Dorfschule zu verbessern.

Es geht los – endlich

Was für eine lange Zeit, bis endlich alles funktioniert… Wir waren in ständigem Austausch mit Moussa, dem Direktor der Schule, doch es bedurfte Verträge, Bauzeichnungen, eine Bauaufsicht und eine halbwegs gestaffelte Geldzuweisung nach Bauaufsicht. Nun ist das Geld im Senegal bei einer Treuhandstelle.

Und diese zahlt Schritt um Schritt, bis die neuen Toiletten hoffentlich stehen und unser Mikroprojekt endlich fertig ist.